aus Nachhaltigkeit & Textilien 02/2011, Jana Kern
Der grüne
Modehandel wächst. Innerhalb nur eines Jahres sind zahlreiche neue Konzepte
entstanden. Eco Fashion
auf dem Holzweg? Wohl kaum!
„Ein Rekordjahr!“ – der Modeeinzelhandel verzeichnet kräftige Zuwächse.
Das zumindest besagen die Zahlen der Fachzeitschrift Textilwirtschaft. Demnach
ist der Umsatz im deutschen Textileinzelhandel im Jahr 2010 im Vergleich zum
Vorjahr um 3% gestiegen. Auch in diesem Jahr geht die Kurve nach oben.
Und wie steht es um den deutschen Einzelhandel mit Eco Fashion? Mit
Umsatzstatistiken kann das Nischen-Segment leider noch nicht aufwarten. Dennoch
lassen sich eindeutige Tendenzen feststellen. Reden Kritiker das Thema nach wie
vor gerne tot – „Das war doch nur so eine Welle in den Medien“, oder „Der Trend
ist genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist“, – so kann man nicht
leugnen, dass der Markt von Saison zu Saison wächst. Nicht nur seitens der vielen
Jungdesigner-Labels, die sich der Eco und Fair Fashion verschreiben, sondern
auch auf der Seite des Einzelhandels.
Filialisten verstärken ihr Engagement
Dass H&M die neue Conscious Collection in die Läden gebracht hat, wird wohl
auch denjenigen aufgefallen sein, die weniger für das Thema Eco Fashion
sensibilisiert sind. Sommerliche Kleider, romantische Blusen, Tuniken, Röcke
und Tops in unschuldigem Weiß zieren seit dem 14. April die Schaufenster des
schwedischen Filialisten. Zum Einsatz kommen Materialien wie Bio-Baumwolle,
Tencel und recyceltes Polyester. Das Engagement wird sukzessive verstärkt, so
soll beispielsweise der Bio-Baumwollanteil jährlich verdoppelt werden. Auch
C&A schreitet zielstrebig voran. Die Düsseldorfer haben ihre Position als
weltweit größter Bio-Baumwoll-Produzent verteidigt und weiten das Angebot
kontinuierlich aus. Derzeit liegt der Anteil von Bio-Baumwolle am gesamten
Baumwoll-Sortiment bei 10%.
Concept-Stores: Wegbereiter mit Herzblut
Soviel zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Filialisten. Und was tut
sich in der Welt der grünen Concept-Stores und Fachgeschäfte? So einiges!
Innerhalb nur eines Jahres sind in Deutschland viele neue Konzepte ins Leben
gerufen worden: Im Sommer 2010 ist FairBleiben in Dortmund gestartet, es folgte
Grünstoff Ecouture in Leipzig. In Münster gibt es neben Grüne Wiese von Lars
Wittenbrink seit September 2010 nun auch den neuen Store Frau Többen von Andrea
Többen. Ebenfalls im September hat Christoph Dahn mit Good True Beautiful in
Freiburg neben Agentur und Online-Shop einen Laden eröffnet. Die dritte
Neueröffnung in diesem Monat war De La Reh in Berlin-Charlottenburg. Mit Marken
wie Beyond Skin, Mandala, Kuyichi, Julia Starp, Bllack Noir, TheBaand, Mat
& Nat und Kvast wird der neue Concept Store for green living in der Branche
gut besprochen und genauestens beäugt. Seit November gibt es in Berlin außerdem
den Eco Showroom, von Kati Drescher und Nine Valencic, die ihre Agentur
sieben&siebzig aufgrund der großen Nachfrage nun auch um einen Shop erweitert
haben. Einer der ersten Berliner Concept-Stores, der grüne Mode als
Gesamtkonzept in die deutsche Hauptstadt gebracht hat, war übrigens Wertvoll.
Berlin zeigt aber auch, dass es eine Kehrseite der Medaille gibt. Denn nicht
alle Eco Fashion-Konzepte sind zwangsläufig erfolgreich. So mussten die Läden
Every Day Like Sunday und Grünwest nach mehr oder weniger kurzem Gastspiel
wieder schließen. Weiterlesen...